V11
Die kleine O&K
Diesellok V11
Die kleinen O&K-Diesel der Baureihe MV8 lösten vielerorts in den 60er Jahren die Dampfloks ab und reanimierten einige Schmalspurbahnen dazu, sich noch ein paar Jahre mehr oder minder mühsam über Wasser zu halten. Mit ihrem kurzen Radstand waren sie ideal für kurvige Schmalspurstrecken wie die Hohenlimburger Kleinbahn mit Radien bis zu 15m in Meterspur oder die Rhein-Sieg-Eisenbahn, wo sie mit der ungewöhnlichen Spurweite 785 mm unterwegs waren.
Was aber selbst unter Fachpublikum kaum bekannt sein dürfte: 1959 passierte bei O&K ein Fehler, der für die Bessunger Kreisbahn zum Vorteil wurde.
Die RSE hatte ihre V 11 in der Spurweite von 785 mm bestellt und die Konstruktionsabteilung machte sich ans Werk. Ein junger technischer Zeichner namens Donwald Dramp sah die Spurweite und hielt das Ganze für einen Fehler, da er vom "Rheinischen Fuß" als Längenmaß noch nie etwas gehört hatte. Er änderte also die Spurweite in den Zeichnungen auf 750 mm ab. Die Lokomotive wurde daraufhin komplett fertiggestellt und erst bei der innerbetrieblichen Endabnahme kam der kostspielige Fauxpas ans Licht. Um nicht vor der RSE das Gesicht zu verlieren, wurde daraufhin in großer Eile eine identische Lok in der korrekten Spurweite hergestellt. Zufällig befand sich zu diesem Zeitpunkt der legendäre BKB-Betriebsleiter Zinfarkt im O&K-Werk auf der Suche nach günstigen Gebrauchtfahrzeugen. Der Verkaufsleiter von O&K, Gerfried Schacherer, sah seine Chance gekommen. Er präsentierte die "750mm-V11" dem Bessunger Eisenbahner als besonderes Schnäppchen zu einem unschlagbaren Preis. Herr Zinfarkt war hocherfreut und konnte so für die BKB eine fabrikneue Diesellok organisieren. Dass die Lok im Bröltal einen bis zur Betriebsnummer identischen Zwilling hatte, wurde erst viel später bekannt, machte aber auch keinerlei Schwierigkeiten, weil die beiden Bahngesellschaften keinerlei Berührungspunkte hatten.
Dramp, der in die Geschichte von O&K mit verschiedenen Fehlleistungen einging, die stets auf seine Überzeugung, unfehlbar zu sein, zurückzuführen waren, sah nicht lange danach seiner Kündigung entgegen. Die Geschichte vom "doppelten Lokchen"wurde aus den Firmenchroniken gelöscht und nur noch hinter vorgehaltener Hand in der Belegschaft erzählt.
Zum Modell
Bei der V11 handelt es sich um die altbekannte Liliput-O&K, die sich in verschiedenen Varianten großer Beliebtheit erfreut.
Von Werk mit durchaus soliden Fahreigenschaften ausgestattet, litt sie natürlich etwas unter dem sehr kurzen Radstand, sodaß sie mit einem Glockenanker-Umbausatz von SB-Modellbau und einem wirksamen Stayalive jetzt problemlos unterwegs ist. Einziges Manko ist momentan die aufgrund der 6poligen Schnittstelle ungepufferte Stirnbeleuchtung, die durch heftiges Flackern anzeigt, wie es mit der Stromaufnahme tatsächlich aussieht, während die Lok dank Strompuffer weiter stoisch ihre Bahn zieht.
Es ist angedacht, die Schnittstelle zu entfernen und einen anderen, fest verdrahteten Decoder einzubauen (evtl. mit Sound), um der Flackerei ein Ende zu bereiten.